Bin ich, was ich habe? Wir zeigen einander Wohnungen, Autos, Urlaubsfotos. Wir sagen "mein Job", "meine Beziehung", "mein Style", als wäre das alles ein Teil von uns selbst, nicht nur etwas, das wir haben. Wir räumen auf, sortieren aus, kaufen neu, und merken oft erst beim Ausmisten, wie schwer uns manche Dinge fallen loszulassen, obwohl wir sie nie wirklich gebraucht haben. Was passiert da eigentlich? Warum hängen wir an Dingen, die eigentlich nur Dinge sind? Jean Paul Sartre hatte darauf eine Antwort, die überraschender ist, als sie klingt: wir eignen uns die Welt an, um uns selbst zu spüren. Besitz ist für ihn keine Nebensache, sondern ein Weg, sich seiner selbst zu vergewissern. "Das ist meins" heißt im Grunde auch "das bin ich". Hannah Arendt sieht darin sogar mehr als nur Selbstvergewisserung. Für sie ist ein Mindestmaß an Eigentum die Voraussetzung dafür, überhaupt frei und sichtbar unter Menschen handeln zu können. Wer nichts hat, verschwindet aus dem öffentlichen Leben. Besitz wird für sie erst dann zum Problem, wenn man ihn vermehrt statt ihn zu gebrauchen, und selbst zu seinem Knecht wird. Diogenes hätte darüber vermutlich gelacht. Er lebte, so die Legende, in einer Tonne, besaß fast nichts, und behauptete, dadurch freier und mehr er selbst zu sein als jeder König. Falls Ihnen Diogenes mit seiner Tonne zu bescheiden vorkommt: Max Stirner hat sich gleich die ganze Welt unter den Nagel gerissen. Moral, Menschheit, Nächstenliebe, alles nur Eigentum, das man sich nehmen und genauso gut wieder in die Tonne treten kann. Der Mann hätte vermutlich nicht mal an dieser Matinee teilgenommen, aus Prinzip, oder besser: gerade weil er keins hat. Simone Weil wiederum ging in die entgegengesetzte Richtung. Für sie beginnt das eigentliche Sehen erst dort, wo man aufhört, sich Dinge, Menschen oder sogar sich selbst anzueignen. Loslassen nicht als Verlust, sondern als der einzige Weg, den Blick frei zu bekommen für das, was wirklich zählt. Wer hat r






