The Juliet Letters Da war also dieser Professor in Verona, der Briefe an Julia beantwortete. Nun, wenn sich das wie der Beginn einer Lügengeschichte anhört, dann ist es das wohl auch. Es gab einen winzigen Zeitungsartikel über einen Veroneser Gelehrten, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Briefe zu beantworten, die an „Julia Capulet“ gerichtet waren. Das ging offenbar einige Jahre so weiter, bis einige Herren von der Presse diese geheime Korrespondenz aufdeckten. Wie er überhaupt an diese Briefe gekommen ist, bleibt unklar. Über den Inhalt der Briefe können wir nur Vermutungen anstellen. Immerhin schrieben diese Leute an eine imaginäre Frau, und zwar eine tote imaginäre Frau. Vielleicht handelte es sich einfach um wissenschaftliche Anfragen oder um Mitleidsbriefe von anderen, die in der Liebe enttäuscht wurden, oder sogar um eine Bitte von jemandem, der in eine unglückliche arrangierte Ehe gezwungen wurde. Was auch immer in diesen Briefen und ihren Antworten enthalten war, die Idee dieser Korrespondenz war unsere erste Inspiration. Zum ersten Mal sah ich das Brodsky-Quartett in der Queen Elizabeth Hall in London im Jahr 1989. Sie gaben eine Reihe von Konzerten, in denen sie alle Streichquartette von Dimitri Schostakowitsch aufführten. Diese Auftritte hatten eine große Wirkung. Ich hatte nicht nur einen klareren Eindruck von der Musik, sondern auch einen starken Eindruck von der Liebe und Hingabe, mit der das Quartett sie spielte. Ich ahnte nicht, dass Mitglieder des Quartetts zur gleichen Zeit bei meinen Londoner Konzerten gewesen waren. Irgendwie kam die Verbindung zustande, wir tauschten Briefe und Aufnahmen aus und verabredeten schließlich ein Treffen nach ihrem nächsten Auftritt in London. Nach diesem Mittagskonzert im November 1991 begannen wir unsere Zusammenarbeit. Wir wollten die viel zu wenig genutzte Kombination von Stimme und Streichquartett erforschen, waren aber bestrebt, diesen Schrottplatz namens „Cross-Over“ zu vermeiden. Die
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